Back to Zerstör mich. Nochmal.
Dark Romance · 18+

Kapitel 1: Flirtest du so gern mit Männern? 🌶️

Zerstör mich. Nochmal.· 6 min read ·May 11, 2026

Die Lichter im Halloway trafen einen wie eine Ohrfeige — Neon, das in Violett und Rot strobte, Bass so laut, dass das Eis im Glas klirrte. Auf der Tanzfläche rieben sich Männer und Frauen in engen, schweißnassen Knäueln aneinander, die Hüften in Bewegung, als würden sie zu etwas Profanem beten.
„Nola Rosenthal ist zurück.“
Holden zündete sich gerade eine Zigarette an, als die Worte kamen. Daumen auf dem Zippo, die kleine Flamme zwischen seinen Händen, goldenes Licht, das über die Kante seines Kiefers flackerte. Er sah nicht auf. Sagte nichts. Zog nur langsam, ließ den Rauch seine Lungen ganz ausfüllen, bevor er das Feuerzeug auf den Glastisch warf und sich in die Lederbankett zurücksinken ließ, einen Knöchel über das andere Knie gehakt.
Sein Blick blieb auf einem einzigen Punkt auf der Tanzfläche. Er sah den Mann, der gesprochen hatte, nicht an. Reagierte nicht.
Ruben Falkenrath hatte sie heute Abend rausgeschleppt. Meinte, es gäbe einen neuen Club in Mitte. Meinte, sie sollten mal vorbeischauen. Felix Wittenberg war mitgekommen, weil Felix immer mitkam. Die drei waren unzertrennlich seit dem Privatgymnasium — jede Klatschspalte und jeder Society-Blog in Berlin wusste das. Der Eschenburg-Erbe, der Falkenrath-Erbe, der Wittenberg-Erbe. Zusammengeschweißt seit sie zehn waren.
Felix warf einen Blick auf Holdens Gesicht, stieß dann Ruben mit dem Ellbogen an und hob die Braue. Ein stummes Was ist mit dem los.
Ruben biss auf den Filter seiner eigenen Zigarette und hob sein Glas, um es gegen Holdens zu stoßen. „Warum so still, Hol?“
Holden ließ den Blick zur Seite gleiten, Zigarette noch zwischen den Fingern. Er antwortete nicht.
Nola Rosenthal ist zurück.
Die Worte machten noch eine langsame Runde durch seinen Kopf, bevor er registrierte, was sie eigentlich bedeuteten.
„Ich sag ja nur, was ich gehört hab“, sagte Ruben und redete jetzt, weil Holden es offensichtlich nicht vorhatte. „Du weißt doch, was für ein Chaos das Ganze war. Schwer, nicht mitzukriegen, dass sie wieder da is.“
„Mm.“
„Das war’s? ‚Mm’?“ Ruben starrte ihn an. „Du bist ‘ne verdammte Statue. Man kann mit dir reden, weißt du.“
Holden kippte den Rest Whiskey in einem langen Zug runter. Sah zu, wie sein Adamsapfel arbeitete. Als er das leere Glas abstellte, war seine Stimme gelangweilt, gleichmäßig, vollkommen flach.
„Gibt nichts zu bereden.“
Sieben Jahre waren eine lange Zeit. Das war Vergangenheit. Ob Nola Rosenthal zurück in Berlin war oder in der verdammten Antarktis, es änderte kein einziges Ding an Holdens Leben. Er war immer noch derselbe Mann, von dem diese Stadt ein Stück wollte. War er damals gewesen. War er immer noch.
Ruben setzte an, noch was zu sagen — aber eine Flasche krachte gegen eine andere Flasche in der Nachbarloge, laut genug, dass der halbe Raum sich umdrehte. Ruben und Felix drehten sich mit, beugten sich vor, um zu gaffen, weil Ruben und Felix halt so waren. Neugierig wie die Hölle.
Holden schaute nicht hin. War ihm egal. Er saß genau da, wo er saß, Knöchel immer noch über dem Knie, Blick immer noch auf demselben Punkt auf der Tanzfläche.
Dann standen Ruben und Felix gleichzeitig auf.
„Heilige Scheiße“, sagte Felix.
Ruben rammte seinen Ellbogen in Holdens Oberarm. Holden ignorierte ihn. Ruben rammte nochmal. Ruben rammte ein drittes Mal, und Holden fauchte schließlich: „Ruben. Was.“
„Das ist sie, verdammt.“ Rubens Stimme war leise, aber sie hatte Biss. „Das ist Nola, verdammt.“
Holden erstarrte für eine halbe Sekunde. Dann drehte er sich um und sah hin.
Sie stand in der Loge nebenan, Drink in der Hand, umringt von Männern im Anzug, doppelt so alt wie sie. Groß — größer auf Absätzen — und das Kleid war ein so tiefes Rot, dass es schwarz wirkte, wo das Licht nicht hinfiel. Trägerlos, geschlitzt bis zur Hüfte, so eng über der Brust, dass sie einen Atemzug davon entfernt wirkte, rauszuquellen. Ihr dunkles Haar war über eine Schulter geworfen, die lange Linie ihres Halses freigelegt. Ein Paar lächerliche, blickfangende Notenschlüssel-Ohrringe baumelten an ihren Ohren. Mit Strasssteinen. Viel zu viel.
Sie sah, ehrlich gesagt, aus wie Ärger auf Absätzen.
Viele Frauen sahen aus wie Nola Rosenthal. Viele Frauen sahen überhaupt nicht aus wie Nola Rosenthal und wurden trotzdem für sie gehalten. Aber die drei hier in der Loge kannten das Merkmal — das Merkmal, das sonst keiner mitkriegte. Es war an ihrem linken Oberarm. Ein verwelktes Rosentattoo, die Blütenblätter weich und an den Rändern verfault, absichtlich über die runde, flache Narbe darunter gestochen: eine Zigarettenverbrennung, die jemand in die Haut gedrückt und dort gehalten hatte. Sie hatte die Rose direkt über die Brandnarbe tätowieren lassen. Sodass es aussah, als würde die Narbe die Rose von innen heraus zerfressen.
Sie war es.
Sie stieß ihr Glas gegen das des älteren Mannes neben ihr, lachte über etwas, das er gesagt hatte, laut genug, dass Holden die Klangfarbe ihrer Stimme über den Bass hinweg heraushören konnte.
„Herr Kessler, bitte — Sie schmeicheln mir. Ich will nur dafür sorgen, dass Sie wiederkommen. Schauen Sie öfter vorbei.“
Es war die Sorte Flirt, die nicht mal so tat, als wäre sie Flirt. Hand auf seinem Ärmel. Blick von unten durch die Wimpern. Hüfte im Schlitz angekippt. Schamlos.
Holden beobachtete das Ganze und spürte, wie sich seine Erinnerung an Nola Rosenthal langsam über die Frau vor ihm schob. Sie deckten sich fast. Fast. Die Nola in seinem Kopf war achtzehn und dünner und wütender; die Nola vor ihm hatte etwas anderes — eine polierte, zur Waffe geschliffene Version desselben Dings. Wo die Achtzehnjährige hübsch gewesen war, war diese hier etwas, das einer verdammten Waffe nahekam. Er hatte sie mit achtzehn schön gefunden. Jetzt, wo er ihr zusah, wie sie den Mann in seinen Sechzigern bearbeitete, wie sie in diesem Kleid ihren Körper besaß —
Er war hart, bevor er sich dafür entschieden hatte.
Wie beim ersten Mal.
Vor sieben Jahren, an der Tür einer anderen Bar, war das Erste, was er tun wollte, als er sie ansah: sie ficken.
Das Erste, was er jetzt wollte, war dasselbe.
Er schaute weiter zu, Kiefer angespannt, während Nola zwei weitere Drinks mit den Männern in der Loge leerte und sich schließlich löste, Richtung hinterer Teil des Clubs. Sie schaute nicht in seine Richtung. Hatte keine Ahnung, dass jemand zusah. Er blinzelte nicht, bis sie im Gang verschwunden war.
Ruben wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht. „Hey. Hey. Hallo? Erde an Hol. Komm mal wieder runter.“ Als Holden ihn endlich ansah, grinste Ruben. „Hätten nicht gedacht, dass wir heute Nacht auf sie treffen, hm.“
Felix lachte leise, ein tiefes Keuchen. „Lustig. Ich hätte schwören können, dass jemand in dieser Loge gerade noch ‚Gibt nichts zu bereden’ gesagt hat. Hat ungefähr ‘ne halbe Sekunde gedauert, bis er an ihrem Arsch klebte.“
Holden ging nicht drauf ein. Er stand auf, zog sein Sakko an den Schultern gerade, richtete seine Manschette. Sein Gesicht war vollkommen leer, aber seine Stimme, als er sprach, war kalt genug, um das Gespräch plattzumachen.
„Toilette.“
Er ging.
Nola stützte beide Handflächen auf den kühlen Marmor der Waschtischplatte, den Kopf tief gesenkt, und würgte den letzten Rest Whiskey aus ihrem Magen.
Als nichts mehr hochkam, ließ sie Wasser laufen und spülte ihren Mund, schöpfte zwei Hände voll und spritzte sich ins Gesicht, dann drückte sie sich langsam wieder hoch.
Ihre Augen waren vom Alkohol rot gerändert. Ein Flush saß hoch auf ihren Wangenknochen, der fast süß wirkte, fast rosig. Sie fing ihren eigenen Blick im vergoldeten Spiegel über dem Waschbecken auf und hätte fast gelacht.
Nola Rosenthal sah aus wie Nola Rosenthal. Nola Rosenthal hatte immer ausgesehen wie Nola Rosenthal. Diese langen, nach oben gezogenen, fuchsartigen Augen, die mehr versprachen, als sie meinte; das tiefe V am Ausschnitt des roten Kleides, das ihr Dekolleté mit jedem Atemzug tiefer drückte; die losen Strähnen an ihren Schläfen. Betrunken war sie sogar hübscher — schlampiger, nasser, ihr Mund ein dunkleres Rot. Die fuchsäugige Barbesitzerin, für die Männer drei Jahrzehnte älter als sie Überweisungen für Bottle Service schrieben, als wäre es nichts. Sie hatte sich das aufgebaut. Natürlich hatte sie das.
Sie blieb noch einen Moment am Waschtisch stehen, wartete, bis der Raum aufhörte zu kippen, und drehte sich dann zum Gehen.
Sie schaffte keine drei Schritte.
Ein Arm schlang sich um ihre Taille, hart und schnell, und sie wurde in die nächste Kabine gezerrt, bevor sie auch nur verarbeiten konnte, was passierte. Das Schloss klickte hinter ihr zu. Ihr Rücken knallte gegen die Trennwand und eine Hand presste sich auf ihren Mund, bevor sie schreien konnte. Ihr Herz schoss in den Hals. Kalter Schweiß brach an ihren Schläfen aus und lief an der Seite ihres Gesichts herunter. Jeder Muskel in ihrem Körper blockierte.
Da war ein Mann hinter ihr. Groß genug, dass er sie komplett umschloss. Sein Geruch füllte die enge Kabine — Zigarettenrauch, teures Cologne, etwas Dunkleres darunter. Whiskey in seinem Atem.
Erinnerung kam wie eine Flutwelle auf sie zu.
Sie kannte diesen Körper. Sie kannte diesen Geruch.
Sein Atem strich langsam über die Seite ihres Halses, die Hitze davon breitete sich mit jedem Pulsschlag bis zum Schlüsselbein aus. Eine seiner Hände löste sich von ihrem Mund und glitt nach unten — über ihren Bauch, am Saum des Kleides vorbei, zwischen ihre Schenkel durch den dünnen Stoff — während die andere hochkam und ihre Brust durch das Oberteil umfasste, fest genug knetend, dass ihr die Luft wegblieb.
Er leckte den Schweißtropfen von ihrem Kiefer, langsam, und seine Stimme — tief, rau, Whiskey-heiser — sagte an ihrem Ohr:
„Nola. Flirtest du so gern mit Männern, hm? Vor sieben Jahren war das schon so. Ist immer noch so.“
Ihr Hirn setzte für einen Schlag aus.
Dann kam es zurück.
Sie kämpfte gegen den Arm, der sie festhielt, wand sich, bis sie ihr Gesicht weit genug herumzerren konnte, um zu sehen, wer es war.
In der Sekunde, in der sie es tat, stand ihr Herz still.
Sieben Jahre waren eine lange Zeit. Aber sie wusste, mit einem Blick, genau, wer sie gegen diese Kabinentür drückte.
Ihr Ex. Von vor sieben Jahren.
Holden Eschenburg.

⸻ End of Chapter ⸻
All chapters of Zerstör mich. Nochmal.
Comments open to subscribers